Für attraktive Innenstädte und den Naturraum als starkes Potential

Für baulich attraktive Ortskerne sorgen, die auch für Neubürger interessant sind, das soziale Miteinander mit Hilfe von Vereinen stärken und eine intakte Natur- und Kulturlandschaft als Potential stärken – so lassen sich einige Hauptideen zusammenfassen, die Bürgerinnen und Bürger in vier Workshops zur Entwicklung des Odenwaldkreises geäußert haben. Ebenso wichtig sind ihnen auch ein besserer Öffentlicher Nahverkehr, sowohl innerhalb des Kreises als auch in die umliegenden Ballungsräume, und ein profilierteres Regionalmarketing, das die Vorzüge des Kreises herausstellt, nicht zuletzt als Wirtschaftsstandort.

 

Zu den Workshops, die im Laufe des Novembers stattfanden, hatte Landrat Frank Matiaske eingeladen. Die Ideen der Bürgerinnen und Bürger fließen in das Konzept zur Kreisentwicklung ein, das derzeit im Landratsamt erarbeitet wird, ebenso wie die Ergebnisse einer Online-Bürgerumfrage mit 1.561 Beteiligten, die im September stattgefunden hatte. An den Dialogforen haben insgesamt rund 200 engagierte Odenwälderinnen und Odenwälder teilgenommen, unter ihnen etliche Vertreter kommunalpolitischer Gremien sowie Vertreter der Odenwälder Wirtschaft, von Naturschutzverbänden und der Landwirtschaft.

 

„Wir brauchen interessierte Frauen und Männer, die die Zukunft unseres Kreises mitgestalten wollen. Ihre Impulse sind für uns in Politik und Verwaltung sehr wichtig“, hebt Matiaske in seiner Bilanz der vier Workshops hervor. „Zum Beispiel ist auch mir eine zeitgemäße Entwicklung von Ortszentren, die Identifikation stiften, ein wichtiges Anliegen.“ Auch Valentin Kuffer, der für das Kreisentwicklungskonzept zuständige Mitarbeiter im Landratsamt, bewertet das Engagement der Bürgerinnen und Bürger in den Workshops als „durchweg produktiv und positiv“.

 

In den Foren konnten die Bürgerinnen und Bürger ihre Meinungen zu fünf Themenfeldern äußern: Natur/Umwelt/Klima, Wirtschaft /Arbeitsplätze, Demografie/Wohnen/Wohnumfeld, Handel/Versorgung und Verkehr/Mobilität. Die Kreisspitze war jedes Mal vertreten: An drei Treffen hat Landrat Matiaske teilgenommen und wesentliche Herausforderungen für die Kreisentwicklung skizziert. Vertreten wurde er bei einem Forum vom Ersten Kreisbeigeordneten Oliver Grobeis, der wie Matiaske den Bürgerinnen und Bürgern für ihren Einsatz dankte und die Bedeutung einer neuen Strategie für die Entwicklung des Odenwaldkreises hervorhob.

 

Begleitet wurden die Foren von der Beratungsfirma Cima, die im Auftrag des Odenwaldkreises schon die Umfrage durchgeführt und ausgewertet hatte. Auch Cima-Projektleiter Dr. Stefan Leuninger zog ein positives Fazit der Dialogrunden: „In zahlreichen persönlichen Gesprächen wurde – wie schon in der Umfrage – deutlich, dass sich die Bürgerinnen und Bürger in hohem Maß mit ihrer Region identifizieren.“

 

Die Workshops hätten auch andere grundlegenden Ergebnisse der Umfrage bestätigt, fügte er hinzu und verwies unter anderem auf die ausgesprochen hohe Wertschätzung von Natur und Umwelt. „Hingewiesen wurde auch auf die Notwendigkeit eines passenden Wohnraumangebotes, gerade für die jüngeren Bevölkerungsgruppen. Aber auch verstärkte Bemühungen für generationenübergreifende Wohnprojekte wurde in allen vier Workshops vorgeschlagen.“

 

 

Ideen der Bürgerinnen und Bürger – eine Auswahl:

 

Natur/Umwelt/Klima

 

Landschafts-Pflege, Odenwald als Stärke pflegen, Land- und Forstwirte fördern, Streuobstwiesen besonders berücksichtigen

Lokale Energieerzeugung fördern / Förderberatung / Hinweis auf bestehende Unterstützung

 

Wirtschaft/Arbeitsplätze

Weiterbildungsmöglichkeiten fördern – lebenslanges Lernen, (Aus-)Bildung von Geringqualifizierten

Digitale Arbeiter aufs Land holen; Gründung/Bau von Co-Working Spaces

Arbeitsplätze für Hochqualifizierte schaffen, Zweigstellen großer Firmen ansiedeln

Stadtfrustrierte Pendler mit jeweiliger Qualifikation auf Plattform bündeln – Darstellung des großen Fachkräftepools für Unternehmer

Betriebe, Händler, Gastronomen, Ärzte bei Nachfolgeproblematik unterstützen

Holzverarbeitung, Handwerks-Meisterschule und Forstwirtschaftslehre zusammenführen

 

Demografie/Wohnen/Wohnumfeld

Beratung und Förderung zu Themen Bau, (energetische) Sanierung, Vermietung; eventuell eine Messe veranstalten

Netzwerk aus Bauhandwerk, Planer, Architekten erschließen

Gemeinschaftliche Wohnprojekte (zum Beispiel Mehrgenerationenhäuser) fördern, mehr barrierefreie Angebote

Bezahlbare Wohnungen für Singles

 

Verkehr/Mobilität

Bessere Anschluss-Taktung im ÖPNV – größere Toleranzgrenzen für Verspätungen; insbesondere Anschlüsse, die Kreisgrenzen überschreiten, verbessern

Halte-Häufigkeit der Odenwaldbahn an kleineren Bahnhöfen reduzieren, Park-and-Ride ausbauen (auch für Fahrräder und mit Lade-Möglichkeit für E-Autos)

„Odenwald Sprinter“ – Express-Busse einführen / verstärken

Vermietung kommunaler E-Fahrzeuge (Autos, E-Lastenräder); Förderung von Carsharing
Gersprenztal-Seilbahn

 

Handel/Versorgung

Bringdienste ausbauen, Online-Plattform „Odenwald-Amazon“

Belebung der Innenstädte, mehr Kinderfreundlichkeit, Fußgängerzone ausbauen, Verkehrsberuhigung in Ortskernen, Kampagnen für Wichtigkeit des stationären Handels

Treffpunkte schaffen (auch in kleinen Orten); Wochenmärkte an zentralen Plätze zurückholen

Unterstützung des lokalen Einzelhandels zu Themen wie Ladenbau, Barrierefreiheit, Gestaltung, Personalschulung, Online-Auffindbarkeit

Bessere Kinderbetreuungs-Zeiten (ganztags) – längere Betreuungszeiten in den Schulen, Ferienbetreuung verbessern

 

Freizeitangebote

Kulturelles Potenzial nutzen: Kleinkunst weiter fördern, erweitern; auf Plattform Angebote darstellen

Angebote für Jugendliche: Ausgehmöglichkeiten für junge Leute schaffen, Jugendtaxi/Disco-Bus einführen; „Action-Sport“, um für junge Leute attraktiv zu werden

 

Tourismus/Gastronomie

Neue Zielgruppen im Tourismus erschließen; Vermarktung touristischer „Pakete“ – Unterkunft, ÖPNV-Ticket, Eintrittskarten

Biergärten an Fahrrad- und Wanderwegen

Slow Food Angebote, das heißt Essen aus einheimischen Produkten; Angebote für Vegetarier/ Veganer, Fokus Gemüse bei Mittagsangeboten

Bürgerfreundliche Verwaltung

Service-Bereitschaft der Verwaltung erhöhen – Mentalitätswandel „vom Bedenkenträger zum Ermöglicher“

Induktionsschleifen für Schwerhörige in öffentlichen Gebäuden

 

Regionalmarketing

„Lage besser als Stimmung“: optimistisch sein, Selbstbewusstsein stärken

Positionierung als politisch aufgeschlossene, moderne Region

„Billiglohn-Region“-Image ablegen

Plattform für den gesellschaftlichen Austausch etablieren: fortgeführter Bürgerdialog; konstante Beteiligung an der Kreisentwicklung

 


05.12.2019


LOGOs: EU Sozialfonds,Hessen und EU Investition in die Zukunft, EFS Für Menschen in Hessen