Serie Europa und der Odenwald (1): International gut vernetzt

Gut sichtbar: Mit Schildern wie diesen machen die Kommunen auf ihre Partnerstädte aufmerksam, so wie hier die Gemeinde Höchst. Foto: Kreisverwaltung

Vor 50 Jahren: Die Partnerschaft des Odenwaldkreises mit der schottischen Region Stirling (heute Falkirk Council) wird am 25. Mai 1969 in der Odenwaldhalle, Michelstadt, besiegelt. An der Feierstunde nehmen teil (von links) County Clerk James D. Kennedy, der Chairman des County Council, Alexander Davidson, Landrat Gustav Hoffmann und der Kreistagsvorsitzende Ferdinand Rückert. Foto: Raimund Navratil/Kreisarchiv

Trommeln für die Partnerschaft: Eine Musikgruppe aus Erbachs Partnerstadt Pont-de-Beauvoisin, zu Besuch im Jahr 2017. Die Jumelage dieser beiden Städte ist die älteste im Odenwaldkreis. Foto: Stadt Erbach

Im Odenwaldkreis geht es europäischer zu als man auf den ersten Blick denkt: In sage und schreibe 15 Partnerschaften sind der Kreis und seine Städte und Gemeinden europaweit mit Kommunen in sieben Ländern vernetzt. Und der Kreis kann in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum feiern: Seine Partnerschaft mit der Region Falkirk in Schottland besteht seit 50 Jahren. Im Sommer werden mehr als 100 Schotten anreisen, unter ihnen 50 Highland-Dancer und 30 Sänger des Junior Gaelic Choir, und die „Schottische Nacht“ am 10. August in Erbach zu einem einzigartigen Erlebnis machen. „Wir freuen uns auf das Fest, das ein lebendiger Ausdruck unserer langjährigen Freundschaft ist“, sagt Rüdiger Holschuh, der Vorsitzende der Schottland-Vereinigung. Dieser Verein unterstützt die Partnerschaft, genauso wie auf schottischer Seite die Odenwald-Association.

 

Die Wurzeln der Partnerschaft liegen im April 1964, als der Rat der Gemeinden Europas mitteilte, dass die schottische Grafschaft Stirling Kontakt zum Landkreis Erbach knüpfen wolle. Landrat Gustav Hoffmann führte die weiteren Verhandlungen, so dass der Partnerschaftsvertrag am Pfingstsonntag 1969 in Michelstadt unterzeichnet werden konnte. Nach zwei Gebietsreformen in der schottischen Grafschaft besteht die Partnerschaft seit 1998 mit dem Falkirk Council. „Wir tun alles dafür, dass sie auch trotz des Brexits bestehen bleibt, denn eine Beziehung zu einer britischen Region ist etwas Besonderes“, so Holschuh.

 

Gleichwohl würden er und der für Europa-Angelegenheiten zuständige Kreisbeigeordnete Dr. Michael Reuter sich freuen, wenn sich mehr Bürgerinnen und Bürger für diese Partnerschaft engagieren würden. Reuter ist auch einer der Stellvertreter Holschuhs im Vorstand der Schottland-Vereinigung. Beide erinnern daran, dass es durchaus größere, erfolgreiche Projekte gab, zum Beispiel eines zur Stärkung und Berufsorientierung junger Leute oder zuletzt eines zum römischen Limes, der auch durch Schottland führte. „Wir wollen den Besuch der schottischen Delegation im August, zu der auch offizielle Vertreter von Falkirk gehören, nutzen, um die Partnerschaft neu zu beleben“, betonen sie.

 

Genau 50 Jahre alt ist auch die Städtepartnerschaft zwischen Michelstadt und Hulst in den Niederlanden. Dazu war Bürgermeister Stephan Kelbert mit einer Delegation jüngst zu Besuch in Hulst. Nur drei Partnerschaften gibt es noch länger: Die erste Jumelage im Odenwaldkreis wurde 1963 zwischen Erbach und Pont-de-Beauvoisin geschlossen. Drei Jahre später folgte jene zwischen Olfen und Trévignin, die als kleinste Partnerschaft in ganz Europa gilt, und die zwischen Höchst und Montmélian. Weitere Verbindungen zu französischen Kommunen schlossen sich an: Michelstadt – Rumilly (1972), Brensbach – Ezy-sur-Eure (1977), Bad König – Argentat (1983) und Brombachtal – La Rivière de Corps (1987).

 

Einen weiteren „Schwung“ gab es in den neunziger Jahren, als Erbach sich mit Königsee in Thüringen verschwisterte (1991), mit Ansião in Portugal (1992) und Jičín in der Tschechischen Republik (1993). Höchst schloss im Jahr 2006 mit Belotin, Tschechische Republik, einen Partnerschaftsvertrag; diese Beziehung ist aber schon älter, begonnen hatte sie als Patenschaft. Reichelsheim kann in diesem Jahr gleich drei Partnerschaftsjubiläen feiern: Seit 25 Jahren ist die Gemeinde mit Dol-de-Betragne verschwistert und seit zehn Jahren mit Jablonka in Polen und Nagymányok in Ungarn; vom 23. bis 26. Mai soll es in Reichelsheim ein großes Partnerschaftsfest geben.

 

Alltäglich sichtbare Zeichen der Partnerschaften sind entsprechende Schilder an den Ortseingängen und Straßennamen wie etwa der Montmélianer Platz in Höchst oder die Ezyer Straße in Brensbach. Auch werden Feste für den Austausch genutzt, zum Beispiel der Erbacher Wiesenmarkt mit dem Europäischen Dorf und der Michelsmarkt in Reichelsheim. Hinzu kommen etliche wechselseitige Besuche, wie die Bürgermeister berichten. Beispielsweise fährt am 1. Mai wieder eine Delegation aus Höchst nach Belotin; dieses Mal bekommt der dortige Bürgermeister für seine Verdienste um die Partnerschaft die Höchster Ehrenbürgerwürde.

 

Für den Austausch setzen sich in der Regel eigene Vereine ein. Mitunter sind auch Schulen eingebunden. Der Aufgabe, die Beziehungen in die Zukunft zu tragen, sind sich die Verantwortlichen bewusst. Sebastian Back, im Erbacher Rathaus für die Partnerschaften zuständig, drückt es so aus: „Ein Anreiz könnten gemeinsame Projekte sein, zum Beispiel etwas gemeinsam tun oder erschaffen.“ Außerdem soll in Erbach am 1. Juni zum ersten Mal mit den Gästen aus Frankreich ein „Fest der Freundschaft“ gefeiert werden, um bestehende Kontakte zu vertiefen und neue zu knüpfen.

 

Neben den „klassischen“ Städtepartnerschaften gibt es im Odenwaldkreis auch zwei anders gestaltete kommunale Freundschaften. Zum einen ist Breuberg-Neustadt Mitglied in der „Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa“, eines seit 40 Jahren bestehenden Zusammenschlusses, dem insgesamt 37 Kommunen gleichen Namens aus Deutschland, Österreich, Polen, Ungarn, der Tschechischen Republik, der Slowakei und den Niederlanden angehören.

 

Und Fränkisch-Crumbach ist verbunden mit Le-Vivier-sur-Mer in Frankreich, was sich vor allem jährlich beim überregional bekannten Fränkisch-Crumbacher Muschelfest zeigt: Die Muscheln werden frisch aus der bretonischen Stadt bezogen. Dank dieser Freundschaft tragen Bürgermeister Eric Engels und andere Akteure des Festes einen besonderen Titel: Sie sind „Chevaliers“ der Muschelzüchter-Gilde. Auch das ist Europa im Odenwald.

 

Übersicht über die Städtepartnerschaften und Gründungsjahre im Odenwaldkreis:

 

Frankreich: Erbach – Pont-de-Beauvoisin (1963) / Oberzent-Olfen – Trevignin (1966) / Höchst – Montmélian (1966) / Michelstadt – Rumilly (1972) / Brensbach – Ezy-sur-Eure (1977) / Bad König – Argentat sur Dordogne (1983) / Brombachtal – La Rivière de Corps (1987) / Reichelsheim – Dol de Bretagne (1994)

Großbritannien: Odenwaldkreis – Falkirk Council (1969)

Niederlande: Michelstadt – Hulst (1969)

Polen: Reichelsheim – Jablonka (2009)

Portugal: Erbach – Ansião (1992) und

Tschechische Republik: Erbach – Jičín (1993) / Höchst – Belotin (2006)

Ungarn: Reichelsheim – Nagymányok (2009)

Deutschland: Erbach – Königsee, Thüringen (1991) / Oberzent-Hesseneck – Weißenborn, Hessen (1985)

Europaweit: Breuberg-Neustadt in der Arbeitsgemeinschaft „Neustadt in Europa“

Ohne Städtepartnerschaften: Fränkisch-Crumbach, aber enge Beziehung zu Le-Vivier-sur-Mer, Frankreich / Lützelbach, früher freundschaftliche Beziehung zu Leschnitz, Polen / Mossautal, Partnerschaft mit Maasdam, Niederlande, 2017 im beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst

 

 

 

 

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08.04.2019


LOGOs: EU Sozialfonds,Hessen und EU Investition in die Zukunft, EFS Für Menschen in Hessen