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Landesstraßen-Sanierungsoffensive: Odenwaldkreis-Landrat sieht krasses Missverhältnis

Die Veröffentlichungen des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung zur Sanierungsoffensive für die Landesstraßen weckten im November vergangenen Jahres große Erwartungen – zunächst auch im Odenwaldkreis. Nach genauerer Prüfung der Ankündigungen aus Wiesbaden zeigt sich Landrat Frank Matiaske „mehr als ernüchtert und enttäuscht“, wie er in einem Brief an das Verkehrsministerium schreibt. Er verweist darauf, dass eine gute Verkehrsinfrastruktur maßgeblich zur Ansiedlung und zum Verbleib von Betrieben und somit zu Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen auf dem Land beiträgt. Für die ländliche Region Odenwaldkreis lasse die Liste mit den 540 bis zum Jahr 2022 als besonders dringlich eingestuften Maßnahmen ein „krasses Missverhältnis“ erkennen.

 

Deshalb fordert der Odenwälder Landrat den Hessischen Staatsminister Tarek Al-Wazir „mit allem Nachdruck“ auf, sich für „eine entsprechende Korrektur einzusetzen“. Frank Matiaske betont, keinesfalls verkenne er die Bemühungen, die Landesstraßen „wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand zu bringen sowie die Tatsache, dass in den letzten zwei bis drei Jahren einige Streckenabschnitte im Odenwaldkreis bereits saniert wurden“. Der vorliegende Katalog enthalte nun aber im Gebiet des Odenwaldkreises gerade einmal fünf Maßnahmen mit einem Investitionsvolumen von rund 2,3 Millionen Euro. Ähnlich schlecht sehe das Verhältnis bei den 2016 vorgesehenen Sanierungsprojekten aus: Nur ein einziges Projekt von 92, veranschlagt mit 300.000 Euro für die Instandsetzung einer Unterführung von 170 Meter Streckenlänge. Zumindest im Odenwaldkreis also, so unterstreicht der Landrat, könne von einer Sanierungsoffensive nicht die Rede sein.

 

Offensichtlich werde in Wiesbaden verkannt, dass gerade ein ländlich strukturiertes Gebiet wie der Odenwaldkreis, der zudem nicht über einen direkten Autobahnanschluss verfügt und mit nur wenigen Bundesstraßen auf gut ausgebaute und erhaltene Landesstraßen angewiesen ist: Alle, die hier Auto fahren – Industrie- und Handwerksbetriebe, Berufspendler und nicht zuletzt die Wochenend-Ausflügler aus den nahegelegenen Ballungszentren.

 

 In seinem Brief an das Hessische Verkehrsministerium hebt Landrat Matiaske eine Strecke besonders hervor: Der Abschnitt der L 3108 zwischen der Kreisstraße 39 (Krähberg) und dem Hessenecker Ortsteil Schöllenbach: Dass diese Verbindung in der Liste bis 2022 nicht enthalten ist, sei „völlig unverständlich“. Deren Zustand verschlechtere sich trotz regelmäßiger punktueller Erhaltungsmaßnahmen der Straßenmeisterei immer mehr.

 

Der Landrat wörtlich: „Der Abschnitt ist mittlerweile ein einziger Flickenteppich, eine ordnungsgemäße StVO-gerechte Mittelmarkierung kann nicht mehr aufgebracht werden, da der Asphalt in der Straßenmitte nicht mehr hält. Wenn ich mir vorstelle, dass die Straße frühestens 2023 saniert werden kann, dann wird davon nicht mehr viel übrig sein, zumal sie aufgrund ihrer Höhenlage im Winter den Witterungseinflüssen besonders stark ausgesetzt ist“. Matiaske erinnert in diesem Zusammenhang an die 2012 nach einem tödlichen Unfall angeordnete Geschwindigkeitsbeschränkung für alle Fahrzeugarten im Zuge der L 3410 zwischen Beerfelden und Rothenberg, nachdem die lange geforderte Streckensanierung immer wieder verschoben worden war.

 

Zweifel hegt der Odenwälder Landrat auch angesichts des Hinweises aus dem Ministerium, wonach die Sanierungsoffensive einen finanziellen Puffer enthält, um flexibel auf Verschlechterungen reagieren zu können: Gerade im Hinblick auf die veranschlagten Kosten allein bei der L 3108 (eine Million Euro) könne dieser Hinweis nicht beruhigen. Schließlich sei diese „bei weitem nicht die einzige schlechte Strecke im Odenwaldkreis, sondern nur die Spitze des Eisberges“. Frank Matiaske führt eine Liste von insgesamt zwölf Verbindungen auf, die sich „in einem ähnlich desolaten Zustand“ befinden und ebenfalls nicht in der Sanierungsoffensive bis 2022 enthalten sind.


10.02.2016

LOGOs: EU Sozialfonds,Hessen und EU Investition in die Zukunft, EFS Für Menschen in Hessen